Istanbul
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Istanbul - Ein Herbstmärchen
Als am 8. Oktober 2005 die deutsche Fußballnationalmannschaft mit 1:2 in Istanbul gegen die Türkei verlor ahnte noch niemand, was ein Jahr später bei der WM im eigenen Land alles möglich sein sollte. Und auch 11 Fußballerinnen und Fußballer der Dresdner Sport Frankfurt hatten noch keinen blassen Schimmer, was sie fast genau ein Jahr später erleben würden.
Durch die Berichte rund um das Länderspiel wurde ich so neugierig auf diese Riesenmetropole Istanbul, dass sich bei mir die Idee breit machte, nach langen Jahren endlich mal wieder eine Auslandsfahrt zu organisieren. Als ich meine ersten Gedanken mit Hakan, einem unserer Spartenleiter, austauschte, hatte ich schnell einen Helfer gefunden. Schließlich bedeutete diese Fahrt eine Reise in seine Geburtsstadt. Als wir dieses Frühjahr dann langsam konkreter wurden und eine Abfrage unter den Fußballern starteten war schnell klar, dass genügend Interesse bestand und die Flüge wurden rechtzeitig zu günstigen Konditionen gebucht. Nun Stand es also fest. Die Fußballer würden vom 29. September bis 4. Oktober nach Istanbul fliegen.
Der Abflug am 29.09. war für 22:50 Uhr geplant. Ankunft in der Türkei also mitten in der Nacht um 2:40 Uhr. Um diese Strapazen überstehen zu können trafen wir uns alle um 18 Uhr im Kanonesteppel in Sachsenhausen. Hier wurde sich noch mal richtig hessisch gestärkt. Dann ging’s ab zum Flughafen Rhein-Main. Hier gab es auch schon den ersten Schreck. Die nette Kollegin von Hapag fly ließ beim einchecken die Reisetasche von Christoph ohne Etikett in die tiefen der Gepäckförderanlage rutschen. Einige Telefongespräche später versicherte sie mir, dass das Gepäckstück auf jeden Fall mit uns fliegen würde und so machten wir uns auf zu unserem Flieger.
Mit ein paar Minuten Verspätung kamen wir in Istanbul an. Nach Passkontrolle und Kofferausgabe wartete unser „Reiseführer“ Hakan auf uns, der schon einige Tage vor uns in seine alte Heimat geflogen war. Die Busfahrt zum Hotel ließ nicht lange auf sich warten und gegen halb 5 lagen alle zufrieden im Bett. Das Glück währte jedoch nicht lange. Um kurz nach 5 begrüßten uns sämtliche Imame der umliegenden Moscheen mit ihrem Gesang. Sehr beeindruckend kann ich nur sagen. Wir schlossen unser Fenster und die Müdigkeit tat ihr übriges um uns wieder in den Schlaf zu bringen.
Schon um 10 Uhr trafen wir uns bei strahlendem Sonnenschein alle zum Frühstück auf der hoteleigenen Dachterrasse. Schließlich stand für heute bereits der sportliche Höhepunkt der Reise auf dem Programm. Ein Fußballturnier auf der asiatischen Seite Istanbuls, bei dem wir gegen die Garanti Bank und Show TV, einem der größten türkischen Fernsehsender, anzutreten hatten. Unter sportlichen Gesichtspunkten terminlich zwar nicht die beste Wahl für das Turnier, aber leider nicht anders machbar.
Am Sportplatz lernten wir zu allererst unseren Kontaktmann der Dresdner Bank Istanbul, Herrn Michael Burger persönlich kennen. Die Freude auf beiden Seiten war sehr groß. Herr Burger hatte nicht nur den Kontakt zur Garanti Bank hergestellt. Er sorgte auch dafür, dass nach dem Spiel ein Bus zur Verfügung stand, der uns zu unserem am Abend geplanten Essen fahren sollte. Außerdem stand uns der Bus am nächsten Tag für eine Stadtrundfahrt zur Verfügung. Hierfür geht nochmals der Dank der ganzen Mannschaft an Herrn Burger. Tesekkür ederim!
Nachtanreise, Zeitumstellung, wecken durch Imam, Schifffahrt zum Turnier und ca. 40 Grad auf dem Platz waren dann nur einige Gründe, warum das erste Spiel gegen die Garanti Bank ziemlich an uns vorbeilief. Bevor wir es uns versahen hatten wir das Spiel mit 0:5 verloren. Nun war auch der letzte richtig wach und eines stand fest: Noch mal wollten wir uns so nicht abfertigen lassen. Während des Spiels der Garanti Bank gegen Show TV, welches 6:2 ausging, nahmen wir uns einiges vor und kamen im Spiel gegen Show TV auch wesentlich besser in Schwung. Wir standen enger bei unseren Gegenspielern, der Ball lief in den eigenen Reihen besser und unsere Torfrau Jutta musste diesmal nur ein einziges Mal hinter sich greifen. Da sich fast alle unsere Spieler am Tore schießen beteiligten stand es am Ende 10:1 für uns. Das Spiel wurde auch in dieser Höhe völlig zu recht gewonnen. Damit hatten wir uns die „Asien-Vize-Meisterschaft“ redlich verdient. Nach der Übergabe von Gastgeschenken, dem duschen und einer kleinen Erfrischung (kein Bier, schließlich war Ramasan) gab es den nächsten Schreck. Der Autoschlüssel von Hakan’s Bruder seinem Auto war verschwunden, nachdem Hakan die Trikots herausgeholt hatte. Eine sofort eingeleitete Razzia im Umkreis von mehreren hundert Metern blieb erfolglos. Der Ersatzschlüssel wurde schon am anderen Ende Istanbuls angefordert, als Hakan den Schlüssel schließlich in einem kleinen Seitenfach seiner Tasche fand. Gut das wir mit dem einschlagen der Seitenscheibe und dem kurzschließen noch ein wenig gewartet hatten.
Nun ging es mit Chauffeur zu einem von Show TV empfohlenen Restaurant direkt am Bosporus. Bei Köfte und vielen anderen einheimischen Leckereien (Hakan musste fast 5-mal die gesamte Speisekarte übersetzen) ließen wir uns auch das ein oder andere Efes und den ersten Raki schmecken. Ziemlich spät vielen wir dann zufrieden in unsere Betten und schliefen ein, allerdings nur bis kurz nach 5, weil die Imame schon wieder fit waren (siehe oben).
Am Sonntag ging es nach dem Frühstück zu einer Stadtrundfahrt. Diese bestand aus Boots- und Bustour. Die Eindrücke waren überwältigend und Hakan der ideale Reiseführer seiner Geburtsstadt. Am Nachmittag stand der Besuch eines 300 Jahre alten Hamam (türkisches Bad) auf dem Programm. Hier ließen wir uns alle schrubben und massieren. Mirko, der an diesem Tag seinen Geburtstag feierte, bekam von uns die Sultansbehandlung (mit allem) geschenkt. Seine Augen funkelten hinterher…..
Am Abend dann schon das nächste Highlight. Wir hatten kurzfristig noch Karten für das Spiel Fenerbahce Istanbul gegen Bursaspor bekommen. Das ist ungefähr damit zu vergleichen, als würde in der Bundesliga Bayern München gegen Cottbus spielen. Wir fuhren also wieder mal nach Asien, gingen um ein paar Ecken und plötzlich standen wir, mitten in der Stadt, vor dem Stadion und unglaubliche Sprechchöre schallten uns entgegen. Die Stimmung war grandios, außer als Christof Just und ich beim 0:1 für Bursaspor spontan Tooooor schrieen. War auch wirklich ein schönes Tor, aber böse Augen um uns herum sahen das wohl anders, wir waren ziemlich schnell wieder ruhig. Als es auch gegen Ende noch 0:1 stand fingen selbst die Fenerbahce Anhänger an, den Gegner für seine Leistung mit Beifall zu beklatschen und damit die eigene Mannschaft zu verhöhnen. Zum Schluss gewann „Cottbus“ tatsächlich.
Den Abend oder besser den Morgen ließen wir in der Just Bar (hieß wirklich so und nicht nur Christof Just wunderte sich) unweit unseres Hotels bei Wasserpfeife und Bier ausklingen. Das es dann irgendwann Zeit fürs Bett war merkte man unter anderem an Mirko’s Bemerkung das heute „Vollstern“ sei, was auch immer er da gesehen hatte. Außerdem begann die Mami aus dem 2. Stock über der Just Bar, die Gäste gegen halb 3 mit Wasser zu segnen. Mirko forderte auf Grund der Trockenheit gleich noch eine Zugabe: Come on Mama, it’s good for the Baum. Wir haben uns köstlich amüsiert.
Der Montag stand im Zeichen der Basare. Großer Basar (und ich sage euch, der war wirklich groß) und Gewürzbasar waren angesagt. Nichts was es dort nicht zu kaufen gäbe. Ein Türke wollte unserer Jutta Liebestee andrehen. Ein Pfiff und alle unsere 10 Jungs standen um Jutta herum. Das er da mit seinem Liebestee nicht kommen brauchte war ihm ziemlich schnell klar. Der Shoppingtag verlangte uns wieder einmal alles ab und einige von uns betrachteten den Sonnenuntergang von der Galatabrücke aus. In den vielen Lokalen bereiteten sich die Einheimischen auf das abendliche Fastenbrechen vor. Die Tische waren gedeckt und als die Imame loslegten war es fast wie beim bayrischen o’zapft is. Alle begannen mit essen und trinken und wir machten uns auf den Weg ins Hotel. Zwei Dinge sind in Istanbul wirklich rar, Mülleimer und Toiletten. Das fehlen von letzterem führte auf dem Nachhauseweg für 2 von uns fast zu diplomatischen Verwirrungen. Durch einen kleinen Sprint konnten aber alle Unklarheiten beseitigt werden. Das Essen an diesem Abend fand dann unter erschwerten Bedingungen statt, da die Tische des Restaurants an einer abschüssigen Straße standen. Aber auch diese Hürde meisterten wir gewohnt souverän und im Anschluss wurden wir schon in unserer Lieblingsbar erwartet.
Am Dienstag, unserem letzten Tag, lief Hakan als Tourguide noch einmal zu Hochform auf. Als erstes besuchten wir die Sultan Achmed Moschee, die auch als blaue Moschee bekannt ist. Die Mädels mussten Kopftücher anziehen. Die Jungs mit kurzen Hosen bekamen schicke blaue Röcke zum drüber ziehen und dann ging’s barfuss in die Moschee. Ein ebenfalls sehr beeindruckendes Erlebnis. Anschließend wurden wir nach Eminönü geführt. Ein Teil der Reisegruppe verließ die Straßenbahn schon an der vorletzten Haltestelle um mit einer klimatisierten Bahn den Rest des Weges zurückzulegen. Wieder vereint ging es dann zum Galata-Turm. Mit dem Aufzug oben angekommen bot sich uns ein grandioser Ausblick über Istanbul nach allen Richtungen und, als ob das noch nicht genug wäre, begannen kurz darauf sämtliche Imame mit ihrem Mittagsgebet. Die ganze Stadt war von dem Gesang überzogen und wir hatten einen Logenplatz.
Nachdem wir wieder abgestiegen waren und sicheren Boden unter den Füßen hatten, führte uns Hakan zum shoppen auf die „Zeil“ von Istanbul, die Istiklal Caddesi. Eine riesige Einkaufsstraße mit allen erdenklichen Boutiquen und der komplette Gegensatz zu den Basaren, die wir bisher als Einkaufsmöglichkeiten kannten. Hier ging es an diesem Tag auch zum Mittagessen ins „Otantik“. Ein Restaurant in dem es original anatolische Speisen gibt. Wie immer an diesen Tagen verließen wir das Restaurant alle ziemlich satt. Nun ging es noch mal individuell auf Shoppingtour und unsere Zeit in Istanbul begann langsam abzulaufen. Obwohl wir für die letzte Nacht unsere Hotelzimmer noch hatten und auch erst um 2 Uhr morgens zum Flughafen abgeholt wurden, lag keiner mehr in seinem Bett. Nach dem Abendessen schwelgten wir in den vielen Eindrücken, die wir in den letzten 4 Tagen gesammelt hatten. Pünktlich stand dann auch unser Bus zum Flughafen in der Nacht bereit, um uns auf den Weg nach Hause zu bringen. Nach insgesamt 4 Passkontrollen saßen dann gegen halb 5 alle im Flugzeug. Durch die einstündige Zeitverschiebung landeten wir ziemlich pünktlich um halb 7 in Frankfurt. Für die einen rief nun das eigene Bett, für einige wenige ging es gleich ins Büro. Aber ich denke alle hatten noch lange die vielen Eindrücke einer imposanten Reise im Gedächtnis.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Mitreisenden bedanken. Erwähnenswert finde ich auch, dass wir sowohl Dresdner als auch Allianz Kollegen auf dieser Reise dabei hatten. Ein ganz besonders großer Dank geht hier aber noch mal an unseren Spartenleiter Hakan Akalay!!!!! Er hat nicht nur im Vorfeld dieser Reise bei der Organisation den Großteil der Arbeit übernommen, sondern auch während unseres gesamten Aufenthalts immer ein offenes Ohr für jeden von uns gehabt und stand als Tourguide von morgens bis abends zur Verfügung. Nochmals herzlichen Dank für alles und görüsmek üzéri !!!!
Cheesy
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